Festakt 50 Jahre Juramuseum

24.09.2026

 

 

50 Jahre Jura-Museum: Einzigartiges Erbe mit Zukunft

Mit einem Festakt auf der Willibaldsburg ist das 50-jährige Bestehen des Jura-Museums Eichstätt gefeiert worden. Wissenschaftsminister Markus Blume, der Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), Prof. Dr. Jörg Overmann, die wissenschaftliche Leiterin des Jura-Museums, Dr. Christina Ifrim, Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie zahlreiche Freunde und Unterstützer des Museums blickten dabei nicht nur auf die vergangenen fünf Jahrzehnte, sondern vor allem auf die Zukunft des Hauses.

Für die Eichstätter Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel war insbesondere die klare Unterstützung des Wissenschaftsministers ein wichtiges Signal. Blume bezeichnete das Jura-Museum als „eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen und ein wissenschaftliches Aushängeschild des Freistaats Bayern“. Das Museum habe noch „deutlich mehr Potenzial“. Der Freistaat und insbesondere die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen wollten mithelfen, die weitere Entwicklung in Eichstätt anzuschieben.

Mit einem Augenzwinkern verwies der Minister dabei auch auf das hartnäckige Engagement der örtlichen Abgeordneten: Schorer-Dremel sitze ihm „regelmäßig im Nacken und sprüht vor Ideen, was wir hier alles machen müssen“. Er habe deshalb „gar keine Alternative, als mich freiwillig dieser Aufgabe zu stellen“.

Ein Fenster in 150 Millionen Jahre Erdgeschichte

Das Jura-Museum besitzt ein Profil, das unmittelbar mit der Region verbunden ist. Der oft unterschätzte Solnhofener Plattenkalk ist nicht nur ein vielseitiger und weltweit verwendeter Naturstein, sondern zugleich ein einzigartiges Fenster in die Erdgeschichte.

Davon zeigte sich auch Minister Blume bei seinem ersten Besuch im Jura-Museum beeindruckt. Beim berühmten Eichstätter Archaeopteryx stellte er überrascht fest, er habe ihn sich bislang „eine Spur größer vorgestellt“. Noch stärker verdeutlichte der Juravenator die Einzigartigkeit der Eichstätter Sammlung. Das Fossil wurde 2006 am letzten Tag einer Grabung entdeckt und anschließend über Jahre präpariert. Blume hob hervor, dass es sich um ein Objekt handele, das es ausschließlich hier gebe.

Heute umfasst die Sammlung des Jura-Museums rund 100.000 Objekte, von denen nur ein Teil ausgestellt werden kann. Darunter befinden sich 77 Holotypen – also jene Exemplare, anhand derer eine Art erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde.

Seit der Eröffnung im September 1976 haben rund 3,4 Millionen Menschen das Museum besucht. Gleichzeitig entstanden rund 900 wissenschaftliche Publikationen, allein 155 davon zum Eichstätter Archaeopteryx. Museumsleiterin Christina Ifrim bezeichnete diese wissenschaftliche Bilanz beim Festakt als „harte Währung“.

Vom Bildungsort zur Forschungsinstitution

Das Jura-Museum hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend von einer reinen Bildungsinstitution auch zu einer Forschungsinstitution entwickelt. Moderne Untersuchungsmethoden wie Computertomographie und Fluoreszenz ermöglichen heute Erkenntnisse, die bei der Bergung vieler Fossilien noch undenkbar waren.

Für die kommenden Jahre soll insbesondere die Plattenkalkforschung wieder intensiviert werden. Dazu gehören neue Forschungsgrabungen ebenso wie eine stärkere wissenschaftliche Bearbeitung der bereits vorhandenen Sammlung. Bedeutende Funde sollen möglichst in der Region bleiben, damit sie hier erforscht und anschließend auch der Öffentlichkeit präsentiert werden können.

Dabei spielen nicht nur Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen eine Rolle. Fossiliensammler, Beschäftigte in den Steinbrüchen, Freundeskreise und ehrenamtlich Engagierte tragen wesentlich zum Erfolg bei. Die in der Fossilienforschung eingesetzte Fluoreszenzmethode wurde beispielsweise durch die ehrenamtliche Arbeit von Helmut Tischlinger entscheidend weiterentwickelt.

Auch die Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt soll weiter vertieft werden. Schon heute arbeitet das Museum unter anderem im Bereich Lernpsychologie mit der KU zusammen, etwa bei der Entwicklung und Auswertung von Bildungs- und Ferienprogrammen.

Wissenschaftskommunikation, die Spaß machen darf

Prof. Dr. Jörg Overmann hob beim Festakt den hohen wissenschaftlichen Wert des Jura-Museums hervor. Als Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns steht er einem Verbund von zehn Museen und zahlreichen wissenschaftlichen Sammlungen vor. Die Zusammenarbeit ermöglicht es, Kompetenzen zu bündeln und gemeinsame Forschungsfragen zu bearbeiten.

Sammlungsbasierte Forschung in Bereichen wie Mineralogie, Geologie und Paläontologie liefert dabei nicht nur Erkenntnisse über die Vergangenheit. Sie kann auch dazu beitragen, Entwicklungen der Gegenwart besser zu verstehen – beispielsweise die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf Ökosysteme.

Gleichzeitig müssen diese Erkenntnisse ihren Weg aus der Wissenschaft zu den Menschen finden. Gerade darin liegt eine Stärke des Jura-Museums: Es verbindet wissenschaftlichen Anspruch mit anschaulicher Vermittlung. Erdgeschichte wird hier im wahrsten Sinne des Wortes greifbar – und ein Museumsbesuch darf dabei ausdrücklich auch Spaß machen.

Eine ganze Region rund um den Plattenkalk

Wie eng Museum, Wissenschaft und Region miteinander verbunden sind, zeigte auch die abschließende Gesprächsrunde zur südlichen Frankenalb. Gemeinsam mit Christina Ifrim und Jörg Overmann diskutierte Thomas Herrscher, Geschäftsführer von Franken-Schotter, über die Besonderheiten des heimischen Plattenkalks.

Der Jurakalk ist ein ausgesprochen vielseitiger Naturwerkstoff, der heute mit modernen Verfahren in zahlreichen Varianten bearbeitet wird und weltweit Verwendung findet. Gleichzeitig sind die Steinbrüche von großer Bedeutung für die Paläontologie. Eine Besonderheit des Altmühltals besteht darin, dass Fossilien teilweise noch heute unmittelbar an ihren ursprünglichen Fundorten gesucht und entdeckt werden können.

Auch nach Ende des Abbaus bleiben die Steinbrüche bedeutsam. In aufgegebenen Bereichen entstehen wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Damit verbinden sich Geologie, Wirtschaft, Forschung, Naturschutz und Bildungstourismus auf besondere Weise.

Kräfte bündeln und den Standort Eichstätt stärken

Die Einbindung des Jura-Museums in die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen bietet große Chancen. Die Zusammenarbeit der zehn Museen ermöglicht gemeinsame Projekte, wissenschaftliche Kooperationen und Unterstützung etwa bei Grabungen und Forschungsvorhaben. Eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre wird zudem die Digitalisierung der umfangreichen Sammlungsbestände sein. Sie ist aufwendig, kann die wissenschaftliche Arbeit und den Austausch mit Forschungseinrichtungen jedoch erheblich erleichtern.

Prof. Dr. Jörg Overmann machte beim Jubiläum deutlich, dass innerhalb dieses Verbundes ein wissenschaftlicher Leuchtturm entstehen soll und Eichstätt dabei eine wesentliche Rolle spielen kann.

Die Ausgangslage dafür ist außergewöhnlich: eine bedeutende Sammlung, international bekannte Fossilien, eine aktive Forschungslandschaft, eine engagierte Region und ein Museum, dessen Geschichte eng mit Eichstätt verbunden ist.

Wissenschaftsminister Markus Blume machte deutlich, dass auch der Freistaat diesen Weg unterstützen will. Sein Zeithorizont fiel dabei für ein Museum der Erdgeschichte angemessen großzügig aus: Nicht nur für die nächsten 50 Jahre, sondern für „die nächsten 150 Millionen Jahre“ soll das Jura-Museum eine gute Perspektive haben.

Und dass Tanja Schorer-Dremel dem Wissenschaftsminister bei diesem Thema weiterhin „im Nacken“ sitzen wird, dürfte nach diesem Jubiläum ebenfalls außer Frage stehen.